Sun
Motto: Share the earth... reich ist nicht, wer viel hat, sondern wer wenig braucht.
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'Das Lächeln' aus 'Medizin für Melancholie' von Ray Bradbury
privater Blogeintrag − 26.12.2011 − von Sun
Auf dem Hauptplatz hatte sich schon um fünf Uhr morgens eine Schlange gebildet, als weit draußen im bereiften Land die Hähne krähten und noch kein Feuer brannte. Anfangs hatten überall um die zerstörten Gebäude herum Nebelfetzen gehangen, aber jetzt, um sieben Uhr, im ersten Morgenlicht, begannen sie sich aufzulösen. Auf der Straße versammelten sich in Gruppen von zweien und dreien immer mehr Leute für den Markttag. Der kleine Junge stand dicht hinter zwei Männern, die sich in der klaren Luft laut unterhielten; alle Geräusche klangen in der Kälte doppelt so laut. Der kleine Junge stampfte mit den Füßen, blies in seine roten, aufgesprungenen Hände, blickte an der schmutzigen, groben Sacktuchkleidung der Männer hinauf und an der langen Reihe der Männer und Frauen vor ihm hinunter. „Nanu, Junge, was machst du denn so früh hier draußen ?“ fragte der Mann hinter ihm. „Ich habe meinen Platz in der Reihe“, antwortete der Junge. „Warum verschwindest du nicht und gibst deinen Platz jemand, der wirklich was damit anzufangen weiß ?“ „Lassen Sie den Jungen in Ruhe“, sagte der Mann weiter vorn, der sich plötzlich umdrehte. „Ich habe ja nur Spaß gemacht.“ Der Mann legte dem Knaben seine Hand auf den Kopf. Aber der schüttelte sie unwirsch ab. „Ich fand es nur merkwürdig, daß der Junge schon so früh auf ist.“ „Der versteht was von Kunst, das lassen Sie sich gesagt sein“, fuhr der Verteidiger des Knaben, ein gewisser, Grigsby, fort. „Wie heißt du, Kleiner ?“ „Tom.“ „Tom wird tüchtig und ordentlich ausspucken, stimmt’s, Tom ?“ „Jawohl, das werd’ ich !“ Das Lachen setzte sich in der Reihe der Wartenden fort. Weiter vorn verkaufte jemand heißen Kaffee in angeschlagenen Tassen. Tom sah das, kleine Feuer und das Gebräu, das in einem verrosteten Topf brodelte. Es war kein richtiger Kaffee. Es war ein Getränk aus Beeren, die in den Wiesen hinter der Stadt wuchsen, und für einen Penny die Tasse zu haben, um den Magen zu wärmen; aber nicht viele kauften es, nicht viele waren wohlhabend. Tom starrte dorthin, wo die Reihe hinter einer zerbombten Mauer zu Ende war. „Man sagt, sie lächelt“, bemerkte der Junge. „Ja, das tut sie“, bestätigte Grigsby. „Man sagt, sie sei aus Öl und Leinwand gemacht.“ „Stimmt. Und darum denke ich, es ist nicht die echte. Die echte, habe ich gehört, wurde vor langer Zeit auf Holz gemalt.“ „Es heißt, es sei vier Jahrhunderte alt.“ „Vielleicht noch älter. Niemand weiß, in welchem Jahr wir sind.“ „Im Jahre 2061 !“ „Ja, das behaupten sie, mein Junge. Aber sie lügen. Es könnte, soviel wir wissen, ebensogut das Jahr 3000 oder 5000 sein. Eine Zeitlang ist es hier schrecklich zugegangen. Uns sind nur noch die Trümmer geblieben.“ Sie gingen schlurfend auf den kalten Steinen der Straße weiter. „Wie lange dauert es noch, bis wir sie sehen ?“ fragte Tom unruhig. „Nur noch ein paar Minuten. Sie haben sie hinter vier Messingpfeilern und Samtstricken aufgebaut, ganz kunstvoll, um die Leute zurückzuhalten. Aber paß auf, Tom: Keine Steine ! Sie erlauben nicht, daß man mit Steinen nach ihr wirft.“ „Ja, Sir.“ Die Sonne stieg höher und brachte Wärme, in der die Männer ihre schmutzigen Mäntel und ihre fleckigen Hüte ablegten. „Warum stehen wir eigentlich hier an ?“ fragte Tom schließlich. „Warum kommen wir her, um auszuspucken ?“ Grigsby sah nicht zu ihm hinunter, sondern blickte zur Sonne auf. „Tja, Tom, dafür gibt es ’ne Menge Gründe.“ Er griff zerstreut nach einer Tasche, die seit langem abgerissen, nach einer Zigarette, die nicht da war. Tom hatte diese Geste unzählige Male beobachtet. „Das hat etwas mit dem Haß zu tun, Tom. Haß auf alles, was in der Vergangenheit war. Ich frage dich, Tom, wie sind wir in diese Lage gekommen, die Städte Schrotthaufen, die Straßen vom Bomben aufgerissen, und die Hälfte der Kornfelder glüht nachts vor Radioaktivität. Ich frage dich, ist das nicht eine scheußliche Bescherung ?“ „Ja, Sir, das ist es wohl.“ „Und darum, verstehst du, Tom, haßt man alles, was einen so zusammengeschlagen und zugrunde gerichtet hat. Das ist nun mal die menschliche Natur. Es ist vielleicht gedankenlos, aber trotzdem menschlich.“ „Es gibt kaum etwas, das wir nicht hassen“, sagte Tom. „Genau ! Das ganze verdammte Gesindel, das in der Vergangenheit die Welt regierte. Da stehen wir nun an einem Donnerstagmorgen hier, die Eingeweide kleben uns am Rückgrat, wir frieren, wohnen in Höhlen und ähnlichem, rauchen nicht, trinken nicht, haben nichts als unsere Feste, Tom, unsere Feste.“ Tom dachte an die Feste der letzten Jahre. An das Jahr, als sie alle Bücher auf dem Platz zerrissen und verbrannten und alle Leute betrunken waren und lachten. Und an das Fest der Wissenschaft vor einem Monat, als sie das letzte Auto hereinschleppten und Lose zogen: jeder Glückliche, der gewonnen hatte, durfte einmal mit dem schweren Schmiedehammer auf den Wagen losschlagen. „Ob ich mich daran erinnere, Tom ? O ja, ich durfte das Vorderfenster zertrümmern, das Fenster, hörst du ? Mein Gott, das gab ein schönes Geräusch ! Das krachte !“Tom hörte richtig, wie das Glas in glitzernde Stücke zersprang. „Und Bill Henderson, der durfte den Motor zerschlagen. Oh, der hat gute, gründliche Arbeit geleistet. Bum !“ „Aber das beste war doch noch“, erinnerte sich Grigsby, „wie wir eine Fabrik zerstörten, in der immer noch Flugzeuge hergestellt werden sollten. Himmel, hat uns das gutgetan, als wir die in die Luft jagten !“ sagte Grigsby. „Und dann fanden wir diese Zeitungsdruckerei und das Munitionslager und ließen sie zusammen explodieren. Verstehst du, Tom ?“ Tom grübelte darüber nach. „Ich glaube, ja.“ Es war Mittag. Jetzt mischte sich der Gestank aus der Ruinenstadt mit der heißen Luft, und zwischen den eingestürzten Häusern krabbelte es. „Kommt das nie wieder, Mister ?“ „Was, die Zivilisation ? Die will niemand mehr. Ich wenigstens nicht !“ „Ich könnte ein bißchen davon ganz gut vertragen“, sagte der Mann weiter hinten in der Reihe. „Sie hatte auch ihre guten Seiten.“ „Zerbrecht euch nicht die Köpfe“, rief Grigsby. „Es ist sowieso kein Platz dafür da.“ „Ach“, sagte der Mann weiter hinten, „eines Tages kommt einer, der Phantasie hat, und flickt sie wieder zusammen. Paßt nur auf. Jemand, der ein Herz hat.“ „Nein“, sagte Grigsby. „Ich sage ja. Jemand, der ein Gefühl für schöne Dinge hat. Der wird uns vielleicht so etwas wie eine begrenzte Zivilisation wiederbringen, eine, mit der wir in Frieden leben können.“ „Aber eh du dich’s versiehst, ist wieder Krieg !“ „Vielleicht würde es nächstesmal anders sein.“ Endlich erreichten sie den Hauptplatz. Von fern her kam ein Reiter auf die Stadt zu. Er hielt ein Blatt Papier in der Hand. Die Mitte des Platzes war abgesperrt. Tom, Grigsby und die anderen sammelten ihren Speichel und traten vor - bereit und mit weit offenen Augen. Tom fühlte, wie sein Herz heftig und aufgeregt klopfte und die Erde unter seinen nackten Füßen heiß wurde. „Los, Tom, spuck aus !“ An den Ecken des abgesperrten Stückes standen vier Polizisten, vier Männer mit einer gelben Schnur am Ärmel - Zeichen ihrer Autorität über die übrigen Menschen. Sie sollten verhindern, daß die Leute mit Steinen warfen. „So hat jeder das Gefühl, daß er mal an sie ’rankam, verstehst du, Tom ?“ sagte Grigsby im letzten Augenblick. „Also los !“ Tom stand vor dem Gemälde und betrachtete es lange. „Spuck aus, Tom !“ Toms Mund war trocken. „Nun mach schon, Tom ! Weiter !“ „Aber sie ist so schön“, erwiderte Tom langsam. „Hier, ich spucke für dich !“ Grigsby spie aus. Die Frau auf dem Porträt lächelte Tom heiter und geheimnisvoll zu, und Tom blickte sie an; sein Herz klopfte und klang wie Musik in seinen Ohren. „Sie ist schön“, sagte er. „Geh weiter, bevor die Polizisten …“ „Achtung !“ Die Leute in der Schlange verstummten. Eben noch hatten sie Tom gescholten, weil er nicht weiterging, aber jetzt wandten sie sich dem Reiter zu. „Wie heißt es eigentlich, Sir ?“ fragte Tom ruhig. „Das Bild ? Mona Lisa, glaub’ ich. Ja, Mona Lisa.“ „Eine Bekanntmachung“, verkündete der Reiter. „Die Behörden haben beschlossen, das Porträt heute mittag hier auf dem Marktplatz der Volksmenge auszuliefern, damit sie teilnehmen kann an der Zerstörung …“ Tom hatte nicht einmal Zeit zu schreien, da schoben ihn die Leute schon brülIend und einander stoßend in wilder Unordnung auf das Bild zu. Man hörte das scharfe Geräusch des Zerreißens. Die Polizisten ergriffen die Flucht. Die Menge schrie, Hände packten das Porträt wie hungrige Vögel. Tom wurde beinahe durch den zerbrochenen Rahmen gestoßen. Er machte blindlings, was die anderen machten, streckte die Hand aus, bekam ein Stück öliger Leinwand zu fassen, riß daran, fühlte, wie es nachgab, fiel hin, wurde getreten und an den äußeren Rand der Menschenmenge gedrängt. Blutig, mit zerfetzten Kleidern, sah er zu, wie alte Frauen Stücke von dem Gemälde kauten, wie Männer den Rahmen zerbrachen, auf der Leinwand herumtraten und sie in Konfettistreifen zerrissen. Nur Tom stand still abseits vom Gewimmel. Er blickte auf seine Hand, die ein Stück von der Leinwand an seiner Brust verbarg. „He da, Tom !“ rief Grigsby. Ohne ein Wort zu sagen, schluchzend, stürzte Tom fort. Er lief hinaus, die Straße mit den Bombenlöchern hinunter, über ein Feld, durch einen flachen Fluß; er blickte sich nicht um und hielt seine Hand noch immer fest zusammengepreßt unter dem Mantel verborgen. Bei Sonnenuntergang erreichte er das kleine Dorf. Gegen neun Uhr stand er vor dem zerstörten Bauernhaus. Weiter hinten in dem Überrest des Kornspeichers, der noch stehengeblieben und jetzt mit einem Zelt überdacht war, hörte er Geräusche schlafender Menschen - seiner Eltern und seines Bruders. Er schlüpfte rasch und leise durch die niedrige Tür und legte sich keuchend hin. „Tom“, rief seine Mutter im Dunkeln. „Ja.“ „Wo bist du gewesen ?“ fuhr ihn sein Vater an. „Morgen bekommst du eine Tracht Prügel.“ Jemand trat ihn in die Seite. Das war sein Bruder, der das kleine Stück Land am Tag allein hatte bearbeiten müssen. „Schlaf jetzt !“ rief seine Mutter müde. Noch ein Tritt. Tom atmete auf. Alles war still. Seine Hand war noch immer fest, ganz fest an seine Brust gedrückt. So lag er eine halbe Stunde lang mit geschlossenen Augen da. Dann spürte er kaltes weißes Licht. Der Mond stieg empor, und der kleine Lichtfleck bewegte sich und kroch langsam über Toms Körper hin. Erst jetzt lockerte sich sein Griff. Er lauschte dem Atem der neben ihm Schlafenden und zog langsam, vorsichtig die Hand hervor. Er zögerte, hielt den Atem an, öffnete die Hand und glättete das winzige Stück der bemalten Leinwand. Die Welt schlief im Mondschein. Und dort auf seiner Hand lag das Lächeln. Im weißen Licht, das vom mitternächtlichen Himmel fiel, betrachtete er es, das wunderschöne Lächeln. Eine Stunde später, nachdem er das Stück Leinwand wieder zusammengefaltet und versteckt hatte, sah er das Lächeln noch. Er schloß die Augen, und es war in der Dunkelheit. Und es war immer noch da, warm und freundlich, als er einschlief und die Welt still dalag und der Mond am kalten Himmel hinauf- und dann, gegen Morgen, hinuntersegelte.
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Aktivist gelöscht sagt
11. MärzHallo zusammen, (ritaelviss2009@hotmail.com) Ich bin Rita ich sah Ihr Profil heute an http://www.greenaction.de und fand ihr würdig zu mir sein, als jemand, den ich auf seinen Armen so lange wie die Liebe kann lagen die Sorge, Fürsorge und te
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Rene sagt
16. Januar, 2011Ist ja auch alles fein und gut liebe Sun aber warum ziehst du andere und oder speziell SSCS in den Dreck verstehe ich nicht ist mir zu hoch!!
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Green_Pod sagt
4. November, 2009Hey! Ich bin´s Ipek. Danke für deinen Gästebuch Eintrag. Klimasünder?
GreenIts
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Enercon und das E-Ship 1 - ein Understatement1
Blogeintrag - Klima - Umwelt und Wirtschaft - 9. August, 2010
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