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Belo Monte - Wasserkraft gegen Indianer

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Keine europäische Beteiligung an Mega-Staudamm im Amazons 03.08.2010 − von Albert Hamann

Der Einsatz war umsonst: Obwohl sich nun neben Naturschützern, Menschenrechtlern, Bischöfen und Juristen auch James Cameron - Erfolgsregisseur mit den Filmen "Titanic" und "Avatar" - in die Bresche warf, will die brasilianische Regierung einen neuen Mega-Staudamm im Amazonasregenwald bauen. Belo Monte, so der Name des Projekts, soll bald als drittgrößtes Wasserkraftwerk der Welt 23 Millionen Haushalte mit Strom versorgen - allen Protesten und Gerichtsentscheidungen zum Trotz.
Es ist unbestritten, dass Brasiliens wachsende Volkswirtschaft mehr Energie benötigt: Ein massiver Blackout im letzten Jahr, der seinen Ausgang im Wasserkraftwerk Itaipú an der Grenze zu Paraguay nahm, verdunkelte fast den gesamten, relativ gut industrialisierten Süden des Landes und brachte das Leben für einige Stunden zum Stillstand - für die aufstrebende südamerikanische Wirtschaftsmacht natürlich ein Entwicklungshemmnis und untragbarer Zustand.
Um ihn zu beheben, greift die Regierung von Lula da Silva allerdings sehr tief in die Mottenkiste - und zu einem Projekt, das maximalen Schaden bei eher mickrigen Erträgen bringen dürfte. Die ersten Pläne für Belo Monte entwarf bereits das brasilianische Militärregime in den 1960er Jahren, doch verschwanden sie immer wieder in der Versenkung, weil sich entweder keine Finanziers fanden, sich das Projekt als zu schwierig erwies oder nationale und internationale Proteste zu laut wurden. Nun aber, im Wahljahr 2010, setzte sich da Silva über alle Widerstände hinweg und ignorierte sogar zwei Gerichtsentscheidungen, die die Baugenehmigung für nichtig erklärten. Der Damm gefährde die Lebensweise von tausenden Ureinwohner der Region. Außerdem seien die nötigen Umweltverträglichkeitsprüfungen durch den Betreiber Eletronorte unvollständig und fehlerhaft durchgeführt worden, so die Richter. Aus Protest traten sogar hochrangige Mitarbeiter der brasilianischen Umweltbehörde IBAMA zurück - mit dem Hinweis, dass starker Druck auf sie ausgeübt wurde, Belo Monte zuzustimmen. Der Anführer des ausgewählten Konsortiums zum Bau der Anlage, die Grupo Bertin, steht zudem in vier brasilianischen Bundesstaaten vor Gericht, weil die Firma massiv gegen Umweltgesetze verstoßen hat.
Die Eingriffe in die Natur und die Dörfer am Ríu Xingu werden gewaltig sein: Mindestens 12.000 Menschen müssen umgesiedelt werden, weil ihre Heimat überflutet wird oder Platz machen muss für die gewaltigen Kanäle, die das Wasser vom Stausee zu den Turbinen schaffen sollen. Die zwei geplanten Wasserbahnen sind 500 Meter breit, 75 Kilometer lang und übertreffen in ihren Dimensionen den Panamakanal. Der Speichersee selbst überflutet 400 Quadratkilometer Regenwald und unterbindet den normalen Wasserfluss durch die Volta Grande - eine riesige Flussschleife, in der das kleine Volk der Juruna lebt. Die Artenvielfalt der Fische im Ríu Xingu gilt als extrem artenreich, die Laichgebiete einiger Arten, die nur hier vorkommen, werden entweder ausgetrocknet oder im Stausee überflutet, was gravierende Folgen für diese Arten haben wird. Die Zerstörung der Fisch-, Jagd- und Sammelgründe durch Belo Monte und die damit verbundene Infrastruktur bedroht die Lebensgrundlage von weiteren 30.000 Menschen. Da der Bau wohl bis zu 100.000 Menschen in die Region locken könnte, dürften weitere Kollateralschäden an der Natur und für die ursprünglichen Bewohner der Region zu erwarten sein.
Dabei könnte Belo Monte ein gigantischer Flop werden: Das Kraftwerk ist auf 11.000 Megawatt angelegt, doch während der drei- bis viermonatigen Trockenzeit könnte die Auslastung mangels Wasser auf ein Zehntel sinken. Über das Jahr gesehen erreicht Belo Monte insgesamt nur eine Kapazität von rund 4500 Megawatt - und damit deutlich weniger Stromausbeute, als geplant. Zusätzlich droht die Entwicklung im brasilianischen Bundesstaat Pará, in dem Belo Monte gebaut wird, dem Damm noch weiteres Wasser zu rauben: Die Region hat eine der stärksten Entwaldungsraten der Welt - und damit verliert das Einzugsgebiet mehr und mehr den natürlichen Regler für den Wasserabfluss. Stattdessen drohen sich starke Fluten mit ausgeprägten Dürren abzuwechseln. Ein Dilemma, das mit einem noch viel gewaltigeren Vorhaben bekämpft werden könnte: dem Bau weiterer Dämme am Oberlauf, die Wasser für Notzeiten speichern sollen - allein der größte unter ihnen, Babaquara, überflutet mehr als 6000 Quadratkilometer Land.
Auch mit der angeblich sauberen Energiegewinnung durch die "umweltfreundliche Wasserkraft ist es nicht weit her: Aus den Stauseen und weiter flussabwärts entweicht durch die verrottende Vegetation (häufig wird sogar geflutet, ohne die Bäume zu fällen) sehr viel Methan - ein potentes Treibhausgas. Laut den Kalkulationen von Célio Bermann, Professor für Energiefragen in São Paulo, könnten die Stauseen am Ríu Xingu in den ersten zehn Betriebsjahren mehr Methan freisetzen als die Megastadt São Paulo.
Doch gibt es Alternativen für Brasiliens Strombedarf? Der WWF-Brasilien meint Ja: ausreichend in Energieeffizienz investiert, könnte die Nation bis 2020 rund 40 Prozent seines zukünftigen Energiebedarfs einsparen - so viel wie 14 Belo Montes theoretisch erzeugen würden.
http://www.wissenslogs.de/wblogs/blog/walden/allgemein/2010-04-26/belo-m...

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    Albert Hamann - 30. August, 2010

    No words... Brasilien: Präsident unterzeichnet „Todesurteil“ für Amazonasfluss http://www.survivalinternational.de [...]

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  • Albert Hamann

    Albert Hamann sagt

    1. Februar, 2011

    http://www.n24.de/news/newsitem_6629401.html

  • Oliver Girst

    Oliver Girst sagt

    31. August, 2010

    Na ja, eben dieser Adenauer hat auch von sich gegeben "was kümmert mich mein Geschwätz von gestern", also würde ich auf irgendwas von jenem auch besser verzichten, wenn ich an Ihrer Stelle wäre. [...]

  • Aktivist gelöscht

    Aktivist gelöscht sagt

    30. August, 2010

    Wir leben alle unter dem gleichen Himmel, aber wir haben nicht alle den gleichen Horizont. (Konrad Adenauer) Der Horizont von Präsident Lula ist sicher auf die Grösse seiner Brieftasche beschränkt.

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